Aktuelle Nachrichten

Fr

04

Aug

2017

Oben hui, unten pfui

So ähnlich könnte man den Bruterfolg auf dem Graswarder bezeichnen. Im Umfeld der einen Hektar großen eingezäunten Fläche mit der Sturmmöwenkolonie blieben in diesem Jahr zählbare Brutergebnisse bei den Küstenvögeln nahezu gänzlich aus. Die Mittelsäger zogen mit 1 Paar und 6 Jungen ziemlich verlassen ihre Kreise, 1 Paar Stockenten versuchten ihr Glück und 3 Paare der Graugänse schafften es, Ihre Gössel flugfähig zu machen, 1 Paar der Höckerschwäne führen zur Zeit noch 2 Junge. Bei den Sandregenpfeifern kam anfangs mit 12 Brutpaaren noch gute Hoffnung auf, flügge Junge konnten aber nicht registriert werden.

 

Null Ergebnisse gab es bei den Seeschwalben, den Säbelschnäblern, den Austernfischern.

 

Mehr als frustrierend, wenn man den Widerständen vor Ort hilflos gegenüber steht. Von einem Vogelparadies der siebziger Jahre sind wir heute meilenweit entfernt. Im Gegensatz dazu tobte in dem E-Zaun gesicherten Areal das Leben. Hier faszinierten die Sturmmöwen im Schnitt mit annähernd 1,8 Jungen pro Paar. Bei insgesamt ca. 220 Brutpaaren wurden so fast 400 Küken flügge. Die Hauptnahrung bestand bei den Sturmmöwen aus Regenwürmern (siehe Foto).

 

Reiherente und Schnatterente hatten Anfangserfolge, wurden aber später nach dem Verlassen der Kolonie nicht mehr angetroffen.

 

Verluste durch Füchse, Marder und Igel konnten nicht festgestellt werden. Der nur etwa 1,10 Meter hohe, unter Strom stehende Knüpfdraht, wurde erstaunlicher Weise vom Fuchs nicht übersprungen. Ein Hindernisgrund mag möglicherweise der in einem Meter davor aufgebaute engmaschige Kükendraht  sein. Ob die elektrisch aufgeladenen Felder um die Zäune herum darüber hinaus auch noch eine Rolle spielen, sollte einmal untersucht werden. Der NABU ist dabei aber überfordert.

 

Verluste bei der Aufzucht traten lediglich durch Silbermöwen auf. Insgesamt haben sich der Einbau und die tägliche Kontrolle der Zäune mehr als gelohnt. Besonderer Dank gilt den ehrenamtlichen Mitstreitern. Eingriffe in die Natur haben in der Regel aber nicht selten auch ungewollte Folgen. Dazu zählt hier der hohe Aufwuchs durch Melden, Kamille und Ackerkratzdistel. Daher wurde das eingezäunte Areal zum frühestmöglichen Zeitpunkt wieder für die Rinder geöffnet. Sie stürzten sich mit Heißhunger auf die Melde und die Kamille. Bei der Beseitigung der Disteln ist leider Handarbeit angesagt. Die Zaungeflechte wurden eingerollt und ins Winterlager gebracht – aufwendig und mühsam.

 

Text und Fotos: Klaus Dürkop

Mo

10

Jul

2017

Wehrhafte Sturmmöwenkolonie

Wie erfolgreich die Sicherung einer Küstenvogelkolonie vor Prädatoren sein kann, zeigte der NABU im NSG Graswarder / Heiligenhafen. Auf einer Restfläche von knapp einem Hektar des ca. 230 Hektar großen Naturschutzgebietes brüteten neben Löffelente, Schnatterente und Austernfischer und Höckerschwan etwa 220 Sturmmöwenpaare in der Kolonie südlich des Naturzentrums.

 

Nach bisherigen Erkenntnissen zeichnet sich ein außerordentlich erfreuliches Ergebnis ab. Anfängliche Kälteeinbrüche verspäteten zwar um einige Tage den Brutbeginn, doch jetzt scheinen die Verzögerungen vergessen zu sein.

 

Die ersten Sturmmöwen waren am 4. Juni flügge.  Einbußen gab es zwar durch ein Silbermöwenpaar, das mit seiner cleveren Doppelstrategie immer mal Erfolg hatte. Während der eine bei seinen Angriffen größere Mengen an Sturmmöwen in der Luft auf sich zog, packte sich der Partner am Boden unbewachte Küken. Auch die Jungtiere der Silbermöwe mussten versorgt werden (siehe Foto). Die Verluste hielten sich aber in Grenzen. Selten überwanden Rabenkrähen den Verteidigungsschirm der Sturmmöwen. Solange die Brutkolonie groß genug war und ist, wehren sie sich mit Schnabel-und Flügelattacken und verhinderten damit das Eindringen in die eigentliche Brutzone.

 

Voraussetzung für den Erfolg waren letztlich wieder die E-Zäune und die Plastikfolien, die das Areal lückenlos gegen Igel, Marder und Füchse abgrenzen (siehe Fotos). Eine weitere Voraussetzung war darüber hinaus die tägliche Überprüfung der Zäune auf ihre Leitfähigkeit. Ein Stromausfall hätte bittere Folgen haben können. Sollen Maßnahmen am Ende von Erfolg gekrönt sein, bedarf es daher stets umfangreicher personeller Aufwendungen. Wir sind froh darüber, zwei  excellente Mitarbeiter für diese Aufgabe gefunden zu haben.

 

Übergriffe in Form von Zerstörungen der E-Zäune durch menschliche Zweibeiner konnten durch die weithin sichtbaren Wärmebildkameras verhindert werden. Sie decken den gesamten Raum um die Kolonie ab und machen Meldung, wenn ungebetene Gäste sich der Kolonie nähern.

 

Diese ersten Maßnahmen sollen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass bislang nur ca. 1% der Gesamtfläche des NSG von der Einzäunung profitiert. Auf allen anderen Flächen gehen der Eierklau, die Tötung von Jungvögeln etc. durch Prädatoren ungehindert weiter mit der Konsequenz, dass ansonsten überhaupt keine Jungvögel mehr flugfähig werden. Bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von etwa 5-6 Jahren ist demnach abzusehen, wann die Küstenvogelkolonien auf dem Graswarder verwaist sein werden. Eine Ausnahme bildeten in diesem Jahr nur Graugänse. Bei ihnen gab es immerhin bei fünf Familien Jungtiere.

 

Die Negativbilanz war bereits im Frühjahr erkennbar, denn in diesem Jahr flogen allein bei den Säbelschnäblern wie auch bei den Küstenseeschwalben nur noch jeweils ein Paar überhaupt im NSG ein, Zwergseeschwalben und Flussseeschwalben blieben ganz aus. Bei den Austernfischern sank die Zahl der Brutvögel auf weniger als 50% des letztjährigen Bestandes ab. Die Gelege bzw. Jungvögel bei den Entenvögeln wie Brandenten, Schnatterenten, Löffelenten, Reiherenten oder Stockenten wurden bisher allesamt Beute von Füchsen und Mardern. Da auch der Marderhund im Gebiet aufgetaucht ist, muss seitens auch dieses Raubsäugers mit Verlusten gerechnet werden.

 

Wenn diese Entwicklung so weitergeht, müssen wir damit rechnen, den Bestand an Küstenvögeln gänzlich zu verlieren. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass der vorgesehene Schutz mit einem Zaun verwirklicht wird. Dazu ist eine großflächige Umzäunung mit einem Gitterzaun geplant, der vom Ministerium für Energie, Landwirtschaft und Umwelt  favorisiert wird.
 

Werden hiesige Politiker auf den dramatischen Rückgang bei der Brutvogelwelt angesprochen, bekommt man schon mal zur Antwort: „Na und, wozu brauchen wir denn Vögel“. Wertschätzung des Naturschutzes sieht anders aus! Für eine Reihe von örtlichen Entscheidungsträgern ist das Naturschutzgebiet offensichtlich nur eine willkommene Dekoration bei Werbemaßnahmen für den Tourismus.
 

Wer in diesen Tagen noch einmal quicklebendige Küken der Sturmmöwen erleben möchte, sollte ganz schnell an einer naturkundlichen Führung teilnehmen, vielleicht zum letzten Mal.

 

Text und Fotos: Klaus Dürkop

Fr

21

Apr

2017

Ein außergewöhnlicher Durchzügler

Gleich sechs Steinschmätzer machten am 16. April  nach Aussage unseres Natur-schutzwartes Manfred Kiau Station auf dem Graswarder. Nah genug für unseren Fotografen, um einige großartige Fotos zu machen. Sie waren Anlass genug, um einmal nach den Überwinterungs- und Brutgebieten dieses nur 25 Gramm leichten Singvogels zu suchen. Staunens-wert, was dabei herauskam. Der kleine Vogel schafft den längsten Vogelzug unter den Singvögeln, ein wahrer Weltmeister.  Im Verhältnis zu seiner geringen Größe legt er die größte Distanz zurück, die jemals bei Vögeln beobachtet wurde.

 

Dank des technischen Fortschritts konnten vor kurzem Ornithologen herausfinden, dass die Steinschmätzer südlich der Sahara (Sudan, Uganda, Kenia) überwintern und jetzt im Frühjahr wieder auf dem Rückflug zu ihren Brutplätzen nach Kanada und Alaska sind, mit Zwischenstation auf dem Graswarder. Es ließ sich nachweisen, dass die Steinschmätzer an einzelnen Tagen bis zu 850 Kilometer zurücklegen, sogar 3500 Kilometer über den Nordatlantik fliegen, dabei Grönland streifen und es bei ihren Pendeltouren insgesamt auf ca. 30.000 Kilometer im Jahr bringen können. Meist fliegen sie allein oder in losen Schwärmen, nicht aber in geordneten Formationen, wie wir es von Gänsen oder Kranichen kennen. Auf dem Graswarder kann man sie bei ihrer Nahrungssuche im April und Mai beobachten.

 

 

Text: Klaus Dürkop, Fotos: Manfred Kiau, Klaus Dürkop

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Sa

04

Mär

2017

Die ersten Sturmmöwen sind aus ihren Überwinterungsgebieten zurück

Das hat es noch nie gegeben, denn bisher kehrten unsere Sturmmöwen in der Regel um den 17. März aus ihren Winterquartieren vom englischen Kanal zurück. Bei besonderen Witterungs-bedingungen konnte ausnahmsweise auch schon mal um den 10. März der Charaktervogel des Graswarders beob-achtet werden, was wohl dem Klimawandel zuzurechnen ist. In diesem Jahr haben es des „Börgermester sien Höhner“ aber dennoch besonders eilig und verblüffen die Ornithologen in Heiligenhafen.

 

 

Mit lautem Geschrei haben nämlich die ersten Sturmmöwenpaare ihr Quartier in der Siedlung am Röschkamp bezogen. Eine Erklärung für dieses Verhalten ergibt sich möglicherweise aus der Großwetterlage. Danach sollen morgen die Temperaturen über eine südliche Windströmung auf über 13 Grad ansteigen. Diese Wärmefront scheinen die Sturmmöwen offensichtlich erkannt zu haben und die Rückkehr beschleunigt angetreten zu haben. Ich denke aber, dass diese ersten Paare nur eine Vorhut sind und der Rest wie immer um den 17. März  Quartier auf dem Graswarder bezieht.

 

Text & Foto: Klaus Dürkop

Sa

28

Jan

2017

Nordische Vögel des Glücks

...sammeln sich jetzt wieder vermehrt in der Eichholzniederung, auf dem Binnensee und auf der Orther Reede. Gemeint sind Singschwäne, die als Zugvögel bereits eine lange Reise von mindestens 1600 Kilometern von ihren Brutgebieten in Nordeuropa oder sogar aus Sibirien hinter sich haben. Im Vergleich zum letzten Winter ist ihre Zahl aber noch sehr überschaubar. Zur Zeit verweilen etwa etwa 50 Individuen an ihren Rastplätzen um Heiligenhafen.

 

Ähnlich geringe Bestände werden auch bei den anderen Wasservögeln (Reiherenten, Tafelenten, Schellenten, Bergenten, Eiderenten u.a.m.) registriert. Sie lassen darauf schließen, dass die gefiederten Gäste auf Grund der außergewöhnlich milden Witterung (geringe Vereisung) noch auf offener See, in dänischen Gewässern oder im Fall der Singschwäne gern auch im Binnenland auf Rapsfeldern verweilen. Warum die Singschwäne dennoch schon heute unsere besondere Aufmerksamkeit genießen, liegt an einigen Besonderheiten. Insbesondere unterscheiden sich diese Großvögel von vielen anderen Wasservögeln durch ihre konzertreifen Auftritte.

 

Singschwäne können durch spezielle Windungen in der Luftröhre besonders laute Töne hervorstoßen und verständigen sich durch eine große Vielfalt unterschiedlicher  posaunenähnlicher Klänge. Vor der Kulisse der neuen Hotels am Binnensee sind sie schon jetzt bei ihrer Gruppenbalz zu erleben. Durch immer lautere und schnellere Rufe steigern sie sich dort fast zu einer Sinfonie. Dieses zugleich schöne wie aufregende Naturkonzert ist besonders in den Nachtstunden in der Regel bis Ende Februar zu hören. Sie machen ihrem Namen alle Ehre!!

 

Angezogen werden sie bei uns jährlich durch das gute Nahrungsangebot im Flachwasser des Binnensees. Seegras und Laichkräuter wachsen hier in Hülle und Fülle und bieten eine gute Alternative zu Gräsern und Raps im Binnenland. Im „Schlepptau“ werden sie häufig von anderen Wasservögeln wie Pfeifenten oder Bläßhühnern begleitet, die von den abgefressenen und losgerissenen Pflanzenteilen profitieren.

 

Im Gegensatz zu unseren Höckerschwänen sind die Schnäbel der Singschwäne bis auf eine schwarze Spitze gelb gezeichnet (Foto), sie sind etwas kleiner und fallen beim Schwimmen durch ihre hoch gereckten Hälse auf. Die weißen Singschwäne gelten im Norden Europas als Symbol des Lichts, der Reinheit, der Reifung und Vollendung, in manchen Regionen auch als Vögel der Sehnsucht und Hoffnung.

 

Bei uns lassen sie sich jetzt jeden Tag besonders gut mit dem Fernglas auf dem Binnensee, aber auch in Ortmühle bei der Werft hören und beobachten. Mit etwas Glück halten sie sich -  wie in den vergangenen Tagen -  in der Nähe des Rehazentrums nur 10 bis 20 Meter von der Promenade entfernt auf. Viel Freude bei der Begegnung mit diesen nordischen Gästen.

 

Text und Fotos: Klaus Dürkop

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