Nahrungstisch für Reiher

Starke südwestliche Winde hatten das Wasser um das Naturschutzgebiet Graswarder hinaus getrieben und für ein überraschendes Schauspiel in den Wind-watten zwischen Strandresort und Schutz-gebiet gesorgt. In den verbliebenen mit Wasser und Algen gefüllten Senken war kurzfristig ein überreiches  Nahrungs-angebot mit Fischen und Krabben aller Art entstanden. Gefangen wie in einem abgelassenen Fischteich hatten Stichlinge, kleine Heringe und Plattfische keine Chance mehr,  die offene Ostsee zu erreichen. Dieser Umstand hatte sich wohl unter Graureihern und auch einem Silberreiher wie ein Lauffeuer „herumgesprochen“ (siehe Fotos). Ab 14.00 Uhr flogen im Minutentakt immer mehr dieser bis zu 98 cm großen Schreitvögel ein.  Obwohl in den letzten Tagen schon vermehrt Graureiher als Zugvögel das NSG aufsuchten, kam die Anzahl doch überraschend. Denn plötzlich konnten aufmerksame Beobachter vom Graswarderweg aus 62 dieser Großvögel bei der Nahrungssuche erleben. Ein Ereignis besonderer Art, das bisher noch nie in diesem Ausmaß am Graswarder beobachtet werden konnte und nur dem reichgedeckter Nahrungstisch zu verdanken war. Der Hunger war auf Grund des optimalen Nahrungsangebots auch sehr schnell gestillt, denn schon bald standen die Reiher gelangweilt auf den Wattflächen. Hätten sie gewusst, dass diese Nahrungsquelle schon bald verschwinden würde, hätten sie sich vielleicht einen „Vorrat“ verschafft. Ich weiß, das klingt sehr menschlich. Dennoch: Am gleichen Abend strömte das Ostseewasser zurück und beendete damit auch den Auftritt dieser Großvögel und einen schönen Anblick.

 

Leider werden in Schleswig-Holstein durch Einzelerlaubnisse der Unteren Jagdbehörde immer noch zwischen 100-200 Graureiher zum Abschuss freigegeben, was der NABU stark kritisiert. Beim Bestand ist in SH ein 60 prozentiger Rückgang eingetreten.

 

 

Text und Fotos: Klaus Dürkop, Manfred Kiau