Aktuelle Nachrichten

26.10.2015

 

Die Story hinter dem Graswarder-Film

 

An einem Samstag im August. Strahlend blauer Himmel, unterbrochen allenfalls durch ein paar Schäfchenwolken, spiegelglatte See dank einer beinahe zärtlich-sanften Brise: Herrlich seltenes Sommerwetter über dem Ostseebad Heiligenhafen.

 

Mitten auf dem Naturschutzgebiet Graswarder, dort wo in jedem Jahr viele zigtausend Wasservögel rasten, brüten und sich genügend Kraftreserven für die spätere Winterreise anfuttern, steht zwischen Büscheln des gerade verblühten Strandflieders ein schneeweißer Karton.

 

Es ist die edle Verpackung eines Quadrokopters, allgemein besser bekannt als so genannte Drohne - ein Fluggerät mit Fotolinse, das ungefähr dem Ausmaß eines DIN-A-3-Papierbogens entspricht.

 

Der Pilot an der Fernbedienung regelt nur noch ein paar Hebel, Knöpfe, Schalter. Auf dem Display seines Laptops wird die Ausrichtung der Kamera final justiert. Die vier Rotoren setzen sich sirrend in Gang, bis sie etwa Elektrorasenmäher-Lautstärke erreicht haben. Dann hebt die Maschine ab, ganz langsam, dann immer schneller, höher, weiter – und fliegt dem Auge des Betrachters davon…

 

An jenem Samstag im August wurde die Geschichte des Graswarders topaktuell visualisiert: Erstmals liefern seitdem Bilder aus Tiefflughöhe, besser noch: aus tatsächlicher Vogelperspektive, einen atemberaubenden Gesamteindruck der besonders geschützten Amphibienlandschaft östlich der Marina und des neuen Strand Resort.

 

Erstmals ist es nunmehr möglich, mithilfe eines dreieinhalbminütigen Filmes die ganze Pracht und die Ausdehnung des Graswarders in Heiligenhafen zu genießen: „Ausflug in ein Paradies“ heißt das kunstvolle Werk, das es auch auf der Seite von www.heiligenhafen-touristik.de der Heiligenhafener Verkehrsbetriebe (HVB) via YouTube im weltweiten Internet zu bestaunen gibt.

 

Mit dem Fernglas in der Hand verfolgen die drei Männer auf dem Graswarder jetzt den Flug der Drohne bis zur östlichen Spitze. Inzwischen ist sie knapp zwei Kilometer entfernt von ihrem Startplatz, es wird allmählich Zeit zur Rückkehr. Nach einem Schwenk in Richtung Fischereihafen überquert die fliegende Kamera die seichten Gewässer am Ufersaum des Naturschutzgebietes, nimmt den Mastenwald der tausend Yachten an der Marina ins Visier und dreht behutsam bei, parallel zu den bezaubernden, teilweise reetgedeckten Strandvillen.


Sinnliches Erleben kann manchmal so einfach sein.

 


                                          

 

 

„Küste im Wandel“ – ein Volltreffer

 

Großer Erfolg für ein Heiligenhafen-Buch: Innerhalb von nur sechs Monaten ist die erste Auflage des opulenten Bild-Bandes „Küste im Wandel“ über das Naturschutzgebiet Graswarder von NABU-Chef Klaus Dürkop nahezu ausverkauft!

 

Das 354 Seiten starke Werk mit über 500 brillanten Farbfotos und zwölf Kapiteln aus der Feder von zehn wissenschaftlichen Autoren hat sich vom Start weg zu einem Verkaufsrenner entwickelt.

 

Herausgeber Klaus Dürkop begeistert: „Ich hätte in meinen kühnsten Träumen kaum erwartet, dass unsere buchgewordene Exkursion über den paradiesischen Graswarder, die Steilküste und die angrenzenden Salzwiesen auf derart viele Interessenten in unserer Stadt, aber auch bei vielen hundert Feriengästen stößt.“

 

Das Buch „Küste im Wandel“, das für außergewöhnlich günstige 19.80 Euro angeboten wird, behandelt nicht allein die Entwicklungsgeschichte des Graswarders, sondern beschreibt darüber hinaus ausführlich die Pflanzenwelt der Nehrung, die Küstenvegetation, die Unterwasserwelt, die Käfer-Fauna, die Meeresschutzgebiete und nicht zuletzt den Aussichtsturm eines der berühmtesten deutschen Architekten, des Wahl-Heiligenhafeners Professor Dr. Meinhard von Gerkan.

 

Klaus Dürkop: „Abseits des touristischen Geschehens hat Heiligenhafen hier ein Alleinstellungsmerkmal, das es unbedingt für die Nachwelt zu erhalten gibt. Wir Menschen brauchen die Natur, aber die Natur braucht uns Menschen nicht. Sie entwickelt sich von ganz allein, wenn man sie nur in Ruhe lässt und mit dem gebührenden Respekt vor der Schöpfung behandelt!“

 

Der Erfolg gibt ihm Recht.                                                                  

Do

08

Okt

2020

Stellungnahme des Kreisnaturschutzbeauftragten Bernd Koop zur Bebauung Steinwarder

B-Plan Stadt Heiligenhafen, Nr. 95, Steinwarder

Hinweise aus naturfachlicher Sicht

Dipl. Biol. Bernd Koop

 

Allgemeine Bemerkung: Eine umfassende Stellungnahme zum Planwerk ist nicht möglich, wenn die Ergebnisse einer aktuellen Brutvogelkartierung oder einer Artenschurzrechtlichen Prüfung nicht vorliegen.

Für diese hier verfasste Stellungnahme wurde am 29.07.2020 eine Ortsbegehung durchgeführt. Die hier verfassten Anmerkungen sind daher nicht vollständig.

 

Ergebnis: Der Wald beherbergt eine aus Vogelschutzsicht herausragende Zusammensetzung sowohl hinsichtlich der Pflanzenarten als auch der Strukturen.

 

Die Mischung aus Lichtgehölzen (Eschen, Weiden), Beerensträuchern (Holunder, Sanddorn) und Röhricht und Wasser, verbunden mit einem reich strukturierten Aufbau unterschiedlichster Wuchshöhe ist in Ostholstein in unmittelbarer Küstennähe selten bzw. nur sehr kleinräumig vorhanden.

 

Aus Südschweden (Falsterbo, Ausgangspunkt der international bedeutsamen Vogelzugroute „Vogelfluglinie“, auf der auch Heiligenhafen liegt) ist mir bekannt, das solche Gehölze eine herausragende Funktion als Rast- und Nahrungsgebiet für ziehende Singvögel, insbesondere Insektenfresser und Beerenverzehrer haben. Nur beim Vorhandensein solcher Strukturen und Gehölze ist ein sehr reiches Nahrungsangebot in Form von Insekten und/oder Beeren vorhanden.

 

Die meisten insektivoren oder fruktivoren Singvögel ziehen nachts und suchen morgens in Küstennähe geeignete Wälder zur Rast und Nahrungssuche auf. Unter den in Mitteleuropa häufigen SW-Wetterlagen ziehen die Vögel niedrig gegen den Wind und nutzen solche küstennahen Rastgebiete in großer Zahl, Stetigkeit und Dichte.

 

Diese Funktion macht den besonderen Wert des Wäldchens aus. Diese Funktion ist nicht durch eine Brutbestandserfassung zu ersetzen, denn die Fragestellung ist nicht vergleichbar, die Funktionen völlig verschieden.

 

Zu erwarten sind hohe Anzahlen folgender Arten:

 

Zaunkönig Troglodytes troglodytes

Rotkehlchen Erithracus rubecula

Braunkehlchen Saxicola rubetra

Blaukehlchen Luscinia svecica

Gartenrotschwanz Phoenicurus phoenicurus

Trauerschnäpper Ficedula hypoleuca

Grauschnäpper Muscicapa striata

Drosseln Turdus spec.

Laubsänger Phylloscopus spec.

Gelbspötter Hippolais icterina

Rohrsänger Acrocephalus spec.

Grasmücken Sylvia spec.

Goldhähnchen Regulus spec..

 

Unter diesen Arten sind zwar nicht zwangsläufig seltene, wohl aber handelt es sich um besonders geschützte Vogelarten.

 

Am Tage der Ortsbegehung mit starkem Wind (W5-6) und Schauern war zu beobachten,

dass bis zu 300 Rauch- und  Uferschwalben hier Nahrung suchten: Die vorhandenen Gehölze unterschiedlicher Wuchshöhe boten kleinräumig windgeschützte Bereiche, in denen Insektenjagd stattfinden konnte. Zeitgleich waren im bebauten Bereich Richtung Graswarder fast keine Schwalben zu beobachten, denn dieser Bereich bot keine Nahrung (bebauter Bereich) oder kaum Windschutz (Graswarder). Im Laufe der Beobachtungszeit erschienen laufend neue Schwalbentrupps, einige Vögel zogen langsam weiter. Damit hat bereits diese eine Begehung den strukturell-funktionellen allgemeinen Naturschutzwert der Fläche verdeutlicht.

 

§ 44, Abs. 1 BNatschG verbietet die Zerstörung von Fortpflanzungs- und Ruhestätten der wildlebenden Tiere der besonders geschützten Arten, explizit sie zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören.

 

Eine Waldumwandlung kommt einer Zerstörung gleich, auch wenn einer Ersatzmaßnahme im Verhältnis 1:2 vorgesehen bzw. von der Forstbehörde vorgeschrieben ist. Begründung: Bis eine neue, funktionell vergleichbare Struktur vorhanden ist, vergehen ca. 20-30 Jahre. Eine Neuaufforstung ist damit kein Ersatz oder Ausgleich der zerstörten Strukturen, zumal im Umfeld vergleichbare Gehölze kaum vorhanden sind bzw. die wenigen Strukturen/Gehölze, die auf diesem international bedeutsamen Zugweg noch vorhanden sind, werden bereits mutmaßlich bis an die Kapazitätsgrenze genutzt. Auf Fehmarn gibt es z.B. entlang der Nord- und Westküste überwiegend nahrungsarme Sitkafichtenbestände mit wenig Holunder/Weißdorn. Daher sind Rastbestände insektivorer oder fruktivorer Singvögel (insbesondere Grasmücken, Laubsänger, Rotschwänze, Fliegenschnäpper) auf Fehmarn zumeist gering oder Ansammlungen halten sich nur sehr kurzzeitig auf.

 

Im Raum Großenbrode mit seiner ausgeräumten Agrarlandschaft finden sich noch weniger geeignete Strukturen.

 

Eine Beseitigung des Waldstücks stellt somit eine erhebliche Verschlechterung der örtlichen Lebensraumausstattung dar. Ein funktioneller Ausgleich ist nicht oder nur über einen langen Zeitraum möglich, daher lehnt der NABU das Vorhaben an dieser Stelle ab.

 

Begründung: Die von der Forstbehörde in Aussicht gestellte Erlaubnis zur Umwandlung erfolgte rein nach numerischen Kriterien, der flächenbezogenen Bilanzierung, berücksichtigt aber nicht die funktionale Bedeutung des Gehölzes.

 

Es ist zu bedenken, dass entgegen der potentiell natürlichen Vegetation, die an der Ostseeküste Dünenwälder und auf Mineralboden (windbedingt) lückigen lichten Wald erwarten lässt, fast ausschließlich Bebauung oder Ackerland an die Küste grenzen. Großflächig fehlen daher – insbesondere auf der Halbinsel Wagrien – küstennahe Wälder. Somit ist großflächig die Funktion als Rast-/Ruhestätte für ziehende Singvögel nicht mehr oder nur in kleine Resten vorhanden.

 

Eine solche Rastvogelerfassung ist in hinreichender Erfassungstiefe  (mind. in 2 tägigem Abstand oder täglich im Zeitraum 24.08.-10.09. und 24.09. bis 15.010) nachzuholen.

 

Begründung: Starke Zugtage sind nicht vorhersehbar. Längere Abstände zwischen 2 Tagen können dazu führen, dass starke Zugtage mit entsprechendem Rastvorkommen übersehen werden.

 

Brutbestände: Solange die aktuelle Brutbestandserfassung nicht vorliegt, müssen Bestandsdaten der zurückliegenden Jahre zugrunde gelegt werden. Der Raum Heiligenhafen gehörte bis vor wenigen Jahren zu den regelmäßig besiedelten Gebieten für den Karmingimpel Carpodacus erythrinus und  den Sprosser Luscinia luscinia. Aktuelle Vorkommen beider Arten sind nicht bekannt, was aber v.a. aufgrund einer nicht hinreichenden Beobachtungsintensität nicht gesichert ist (s. Berndt et al. 2003, Koop & Berndt 2014, Vogelwelt Schleswig-Holsteins, Bd. 5 und Bd. 7).

 

Mit dem Bau der Hinterlandanbindung der Fehmarnbeltquerung wird das größte zusammenhängende Brutgebiet des Karmingimpels von der Sundbrückenrampe bis Großenbrode, 12-16 Bp. allj. bei einem Gesamtbestand von ca. 40 Bp. in Schleswig-Holstein großenteils durch Flächeninanspruchnahme zerstört. Dann bekommen die Gehölze in/um Heiligenhafen eine neue Funktion. Mit der Beseitigung des Wäldchens im B-Plangebiet Nr. 95 wird damit das regionale Aussterben des Karmingimpels beschleunigt bzw. verstärkt.

 

Diese Eingriffssummation ist offenbar nicht berücksichtigt.

 

Forderung des NABU, falls ein Verzicht auf das Bauvorhaben nicht infrage kommt: Vor Verwirklichung des Bauvorhabens muss daher zunächst der funktionale Ausgleich für die Waldumwandlung in Küstennähe erfolgen. Der notwendige Vorlauf umfasst naturfachlich betrachtet mindestens 10-15 Jahre, nämlich solange, bis sich der Strukturreichtum und das Nahrungsangebot entwickeln, den das jetzige Gehölz aufweist.


Weitere Aspekte:

Aus Gründen des Hochwasserschutzes sollen ab 2021 Abstände zur Küste von 150 m eingehalten werden. Lediglich eine Übergangsregelung des § 65 LNatschG erlaubt einen Abstand von nur 100 m bis zum 22.06.2021.

 

Diese Regelung lädt geradezu ein zu einer rechtlichen „Trickserei“: Da das Bauvorhaben nicht vor diesem Termin realisiert wird/werden kann, darf diese Übergangsregelung keine Anwendung finden, sondern es ist der zukünftig ab 23.06.2021 gültige Mindestabstand von 150 m einzuhalten.

So

20

Sep

2020

Steilküstenwanderung am Dazendorfer Ufer

Steilküstenwanderung in Heiligenhafen bei bestem Wetter.

 

  • Was hat der Graswarder mit der Steilküste zu tun?
  • Warum kommen so viele Steine an der Steilküste aus Skandinavien?
  • Wie entstand diese Küste und was ist eine Ausgleichsküste?
  • Wie alt sind die Steine?
  • Welche Fossilien sind zu finden?


Mit dem Hobby-Geologen Stephan Schmidt haben wir dieser und noch vielen anderen Fragen bei wunderbarem Wetter nachgespürt.


Das werden wir bestimmt wieder anbieten.

Do

17

Sep

2020

NABU zeichnet schwalbenfreundliche Häuser aus

Nun sind sie schon wieder auf dem Zug nach Süden, die Mehl- und Rauchschwalben, die ihre Nester an unseren Häusern, in Ställen und Garagen bauen. Selten sind sie geworden, diese kleinen Flugkünstler. Ihr Lebensraum ist zunehmend  bedroht, nicht nur durch die fortschreitende Versiegelung und Drainierung unserer Landschaft. Das Insektensterben erschwert  ihre Nahrungssuche und in unserer auf Sauberkeit und Ordnung gedrillten Gesellschaft werden Schwalbennester am Haus oft nicht geduldet. Obwohl das Abschlagen von Schwalbennestern verboten ist und mit Geldbußen belegt wird, ist es leider ein Phänomen, das man häufig beobachten kann.

 

Doch es gibt auch gute Nachrichten. In der vergangenen Woche zeichnete der NABU-Heiligenhafen sechs Familien mit der Plakette „schwalbenfreundliches Haus“ aus. Hier sind Schwalben willkommen. Der gefürchtete Dreck, den die kleinen Vögel ohne Frage machen, wird mit kleinen Brettchen abgehalten,  die bei Bedarf unter den Nestern angebracht werden. Das Ehepaar Ratz aus Neukirchen legt sogar einen alten Teppich in ihrem Gartenhäuschen aus, der anschließend entsorgt wird. Frau Roziski und Tochter in Goddersdorf haben noch zusätzliche Nisthilfen anbringen lassen, die alle beflogen sind und das Ehepaar Hus erlaubt ihren Schwalben, direkt über einem schmalen Durchgang zum Garten zu brüten. Im Frühjahr warten alle sehnsüchtig auf die Ankunft der Schwalben. Im Sommer beobachtet man mit großer Freude die Aufzucht und die Flugversuche der Jungen und im Spätsommer beobachtet man wehmütig ihren Abschied. Alle Familien sind sich einig: Schwalben bringen Glück!

 

Der NABU hofft, dass dieses Engagement Schule macht. Weitere Infos erhalten Interessierte bei Frau Julia Ehritt unter schwalben(at)nabu.de - für den Bereich Heiligenhafen und Umgebung auch bei Frau Eva Witt unter nabu(at)ostseesatt.de.

 

Do

20

Aug

2020

Stellungnahme des NABU zu den Entwürfen der Bebauungspläne Nr. 5, 84 und 95 der Stadt Heiligenhafen

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

der NABU Schleswig-Holstein, hier vertreten durch die NABU Gruppe Heiligenhafen, lehnt die Bauvorhaben, wie sie nach den Entwürfen der B-Pläne Nr. 5, 84 und 95 auf dem Steinwarder vorgesehen sind, ab. Der NABU empfiehlt dringend, auf eine Rodung und Überbauung des im Zentrum der Planbereiche stehenden Gehölzes (B-Pläne Nr. 5 und 95) und eines Teils seiner Randbereiche (B-Plan Nr. 84) zu verzichten.

Das forstrechtlich als Wald eingestufte Gehölz hat sich nach einer vor Jahrzehnten vorgenommen Bepflanzung mit u. a. Sanddorn eigendynamisch und sehr strukturreich weiterentwickelt, bedingt durch die unterschiedlichen Boden- und Feuchtigkeitsverhältnisse. Dabei sind menschliche Eingriffe wie Gestaltungs- und Pflegemaßnahmen, Nutzung als Spiel- oder Grillplatz, wie sie ansonsten für inmitten von Siedlungskomplexen gelegene Gehölzinseln typisch sind, weitgehend ausgeblieben, so dass der äußerst naturnahe Charakter erhalten geblieben ist.

Während die Gehölzvegetation im südlichen und mittleren Teil auf eher nährstoffreichere Böden (Aufspülung) hinweist, wird sie nach Norden zunehmend schütter, bis sie auf dem sandigen, trockenen Boden in einer Trockenrasenvegetation der dortigen Strandwallreste ausläuft. Eingesprengt sind teilweise mit Schilf durchwachsene Feuchtbereiche. Entsprechend dem kleinräumigen Wechsel der Standortverhältnisse hat sich eine hohe Vielfalt an Baum- und Straucharten eingestellt, ebenso bei der niederen Vegetation. Auch die Strukturdiversität mit ihrem Mosaik an offenen und besonnten, sowohl trockenen als auch feuchten Stellen, teilweise mit einem reichen Angebot an stehendem Totholz, bis hin zum geschlossenen Baumbestand mit entsprechendem Mikroklima ist extrem hoch.
In ihrem Vegetationsmuster vergleichbare Gehölzbereiche sind in Schleswig-Holstein äußerst selten geworden. Obgleich ursprünglich für die Ostseeküste als im Anschluss an Dünen oder Strandwall typisch, sind solche und ähnlich Biotopformationen infolge v. a. der touristischen Überformung der Küste inzwischen auf kleinste Reste zusammengeschmolzen. Diese sind unbedingt zu bewahren.

In den (weitgehend gleichlautenden) Umweltberichten der vorliegenden B-Planentwürfe wird dem Gehölz einschließlich der nördlich angrenzenden Trockenflächen eine "mittlere bis hohe Biotopqualität" zugestanden, gleichzeitig aber nur eine "durchschnittliche Bedeutung für die biologische Vielfalt" gesehen (z.B. Begründung zum B-Plan Nr. 5, S. 98). Dieser Einschätzung kann der NABU nicht folgen. Um die tatsächliche Bedeutung dieser Fläche zu erfassen, sind fachlich fundierte Untersuchungen zu Flora und Fauna erforderlich, die jedoch nicht vorliegen. Die dürftigen, nur allgemein gefassten Angaben z.B. zu Brutvögeln sind keinesfalls ausreichend.

Beispielsweise unter ornithologischen Aspekten weist das Gelände eine hohe Wertigkeit auf. So ist es bis vor wenigen Jahren noch Brutplatz des mit der Nachtigall eng verwandten (und ebenso melodiös singenden) Sprossers gewesen. Bis zu drei Sänger sind hier jährlich festgestellt worden, im Hinblick auf die geringe Größe und die Verinselung des Gehölzes eine außerordentlich hohe Siedlungsdichte, die auf die ökologische Qualität dieses kleinflächigen Lebensraums hinweist. Dass dieses Vorkommen mittlerweile erloschen ist, liegt nicht an der fehlenden Qualität des Gehölzes als Brutgebiet, sondern ist ursächlich im seit längerem in ganz Schleswig-Holstein bei dieser Art zu beobachtenden Bestandsrückgang. Sollten die Bestände des Sprossers wieder zunehmen können, ist das Vorhalten derartiger Bruthabitate eine Grundvoraussetzung. Gleiches gilt für den Karmingimpel, an der schleswig-holsteinischen Ostküste nur mit wenigen Paaren vertreten.

Dieses Beispiel zeigt, dass pauschale Aussagen wie: "Geschützte bzw. gefährdete Brutvogelarten sind nicht zu erwarten." (ebenda, S. 88) fachlich nicht gerechtfertigt sind. (Überdies ist anzumerken, dass alle Singvögel naturschutzrechtlich zu den besonders geschützten Arten gehören.)

Außerdem greift die Beschränkung auf eine Bewertung nur der Brutvogelvorkommen eindeutig zu kurz, wie die beigefügte Stellungnahme des Dipl. Biologen Bernd Koop, Büro für Feldornithologie, aufzeigt. Unter avifaunistischen Gesichtspunkten im vorliegenden Fall viel stärker zu beachten ist die Bedeutung des Gehölzes als Rasthabitat eines großen Spektrums an Kleinvögeln, hier insbesondere während des Herbstzuges von Skandinavien über die 'Vogelfluglinie' in die Winterquartiere. Wie in dem Kurzgutachten dargelegt, können in einem derart reichhaltig strukturierten Gehölz mit seinem hohen Nahrungsangebot (z.B. die Beerentracht des teilweise baumartig gewachsenen Weißdorns, Insekten) die Vögel nach dem Energie zehrenden Flug über die Ostsee wieder zu Kräften kommen und sich gleichzeitig vor Witterungsunbilden schützen. Dafür suchen die Vögel solche unmittelbar an der Küste gelegenen Gehölze in großen Scharen auf. Der Erhalt von Rastplätzen, noch dazu entlang einer international so bedeutsamen Vogelflugroute, ist auch naturschutzrechtlich ebenso geboten wie der Schutz der Brutplätze.

Der von der unteren Forstbehörde im Verhältnis 1 : 2 festgesetzte Waldausgleich ist zwar forstrechtlich begründet. Er gleicht aber in keiner Weise die mit der Rodung einhergehenden Verluste an ökologischen Funktionen aus. Um eine entsprechende Kompensation gerade der Eigenschaft als Rastrefugium für durchziehende Singvögel tatsächlich gewähren zu können, müsste eine Ausgleichspflanzung unmittelbar an der Küste im Umgebungsbereich von Heiligenhafen vorgenommen werden und ähnlich unterschiedliche Strukturen aufweisen. Diese entwickeln sich jedoch erst im Laufe von Jahrzehnten und benötigen zudem entsprechende Bodenverhältnisse. Eine schlichte Ersatzwaldbildung kann diesem naturschutzfachlichen Anspruch selbst nach Jahren der Entwicklung nicht gerecht werden.

Wie im Umweltbericht richtig festgehalten, befinden sich im nördlichen Abschnitt der Planbereiche nach § 30 BNatSchG gesetzlich geschützte Biotopbereiche. Der Planung zufolge sollen diese zwar weitgehend von der Bebauung ausgenommen werden. In der Realität wird das jedoch nicht zu gewährleisten sein. Denn sowohl während der Bauphase, erst recht aber im Zuge der touristischen Nutzung des Geländes mit Freibad und Ferienquartieren, werden schädigende Einwirkungen wie intensives Betreten, gärtnerische Eingriffe usw. sich nicht ausschließen lassen, auch nicht durch die vorgesehene Besucherlenkung mittels Steg. Um derartige Belastungen auszuschalten oder zumindest abpuffern zu können, sind die besagten Trockenflächen zu klein. Überdies würden sie noch stärker als bisher isoliert werden und auch dadurch an ökologischer Bedeutung verlieren, zumal sie durch die gepflasterte Strandpromenade bereits vom Dünenstreifen getrennt sind.

Ähnlich belastet werden dürfte auch das sich nach Westen anschließende, laut Planung von Bebauung freizuhaltende Feuchtgebiet mit seinen Schilfröhrichten. Diese Fläche könnte zudem als Folge der Überbauung der benachbarten Flächen mit großflächiger Versiegelung in seinem Wasserrregime gestört, d.h. trockener und damit in seinem gesetzlich geschützten Habitus erheblich beeinträchtigt werden.

Trotz gegenteiliger Behauptungen scheint die Planung selbst in die nach § 30 BNatSchG gesetzlich geschützten Biotope einzugreifen. So findet sich etwa mittig im Gelände als Ausläufer des oben genannten größeren Feuchtgebiets ein Schilfröhricht, welches nach der Planung überbaut und damit beseitigt werden soll. Auch ist im Zuge des B-Plans Nr. 5 (Parkdeck) anscheinend ein Eingriff in das Trockenbiotop (Graudüne bzw. Strandwall) geplant. Für Eingriffe in diese § 30-Biotope ist eine naturschutzrechtliche Befreiung erforderlich. Die dafür notwendigen "Gründe des überwiegenden öffentlichen Interesses" (§ 67 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG) liegen aber bei den hier vorgesehenen rein tourismuswirtschaftlichen Projekten nicht vor.

Dieses gilt nach Ansicht des NABU auch für das geplante Freibad. Zwar soll das Bad nicht nur den Hotelgästen, sondern auch der allgemeinen Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Dafür befindet sich der Standort allerdings soweit außerhalb der eigentlichen Ortslage Heiligenhafens, dass das Bad z.B. von den Schulen zum Schwimmunterricht nur mit längeren Fahrtzeiten erreichbar sein wird. Abgesehen davon ist nach dem Sinn eines ohnehin nur bei sommerlichen Temperaturen zu nutzenden Freibads direkt am Ostseestrand zu fragen. Für das Freibad sollte deshalb nach einer Standortalternative gesucht werden, wo es nicht nur günstiger angebunden, sondern auch mit keinen Eingriffen in wertvolle Lebensräume verbunden wäre.

 

Die geplanten Gebäude mit einer Höhe von bis ca. 15 m sowie das vorgesehene Parkdeck werden das bereits stark geschädigte Landschaftsbild des Steinwarders noch zusätzlich belasten. Das Gehölz hat als Grünstruktur hingegen dazu beigetragen, die mit Blick vom alten Heiligenhafen über den Binnensee stereotyp und gesichtslos wirkende Silhouette des Steinwarders noch etwas aufzulockern. Diese Funktion würde bei einer Rodung und 'Ersatz' durch weitere Gebäude entfallen. Auch aus dem Nahbereich betrachtet, wird sich der Verlust der 'grünen Insel', bisher eine auch aus der Perspektive der Erholungssuchenden eine willkommene Unterbrechung der ansonsten fast durchgängigen und unterkühlten Gebäudephalanx, negativ bemerkbar machen. Vorgesehene Baumpflanzungen können diese Funktion im Orts- und Landschaftsbild nicht ersetzen, sind auch unter ökologischen Gesichtspunkten nicht annähernd als Kompensation zu werten.

Außerdem möchte der NABU darauf hinweisen, dass das bezeichnete Gelände seinen Informationen nach offenbar als Ausgleichsfläche für andernorts vorgenommene Eingriffe benannt worden ist. Schon allein dieses lässt auf den ökologischen Wert des Grünkomplexes schließen.

Fazit: Ein dringendes Erfordernis für weitere Tourismuseinrichtungen auf dem Steinwarder, schon gar nicht mit der Folge der kompletten Zerstörung eines wertvollen Stücks Natur, ist nicht ersichtlich und lässt sich aus den Planunterlagen auch nicht schlüssig ableiten. Der NABU kann kein Verständnis für die Absicht der Stadt Heiligenhafen aufbringen, dass - nachdem innerhalb weniger Jahrzehnte fast der gesamte Steinwarder zubetoniert worden ist - nun auch noch einer der letzten naturnahen Grünbereiche beseitigt werden soll, obgleich dieser durchaus von hoher Bedeutung für den Naturschutz als auch die Auflockerung des Siedlungsgebiets ist. Der NABU schlägt vor, auf Fortführung der Planungen für die vorgesehenen Bauprojekte zu verzichten und das betroffene naturnahe Gelände mitsamt dem angrenzenden Feuchtgebiet als "Fläche für Maßnahmen zum Schutz, zur Pflege und zur Entwicklung von Boden, Natur und Landschaft" gemäß § 9 Abs. 1. Nr. 20 BauGB auszuweisen.

Mit freundlichen Grüßen
gez. Klaus Dürkop

Mo

11

Mai

2020

Mai Update 2020

Auch unser Naturzentrum auf dem Graswarder ist von den Massnahmen zur Eindämmung der Corona Pandemie betroffen. Leider können wir derzeit nicht die üblicherweise von Ostern bis Oktober statt findenden naturkundlichen Führungen anbieten. Den Graswarderweg können Sie trotzdem entlang spazieren und den Rufen der Sturmmöwen zuhören.

 

Die Sturmmöwen sind - wie jedes Jahr - im März bei und eingeflogen. In der Kolonie nahe des NABU Zentrums halten sich über 500 Tiere auf. Das Gelände am Haus dürfen Sie gerne betreten.

Der Norddeutsche Rundfunk hat übrigens im vergangenen Jahr eine Reportage über den Graswarder gedreht; dieser Film ist am Freitag, 22. Mai 2020, von 20:15 bis 21:15 Uhr auf dem NDR zu sehen.


https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/die_nordstory/Geheimtipp-in-der-Ostsee,sendung1029752.html
(Die Nordstory - Geheimtipp in der Ostsee - Die Halbinsel Graswarder)

 

Bleiben Sie gesund!

Ihr NABU Team vom Graswarder

So

18

Aug

2019

Wieder Bruterfolg bei der Sturmmöwenkolonie auf dem Graswarder

Es gibt Maßnahmen, die schädliche Auswirkungen mildern, jedoch das eigentliche Problem nicht grundsätzlich beseitigen können. Flächenoptimierungen mit Zäunen sind letztlich immer nur zweite Wahl, denn an erster Stelle steht naturgemäß die großflächige Optimierung der Landschaft an sich. Wenn das nicht kurzfristig erreichbar ist, können Maßnahmen wie der Bau von Zäunen eine berechtigte Alternative sein. Am Beispiel des NSG Graswarders lässt sich dieses Phänomen exemplarisch nachvollziehen.  

 

Eigentlich bietet das Schutzgebiet mit seinen abgelegenen Stränden Salzwiesen und Lagunen bereits optimale Bedingungen zur Brut und Aufzucht von Küstenvögeln. Feine und grobe Sand- und Geröllflächen mit typischen Strandwallpflanzen wechseln sich ab mit arteigenen Salzwiesen und salztoleranten Pflanzen. Extensive Beweidung mit der Rasse der Schwarz-Bunten Rinder sorgt darüber hinaus für ein Mosaik an ausgewogenen Kleinstlebensräumen.

Alles Voraussetzungen für eine artenreiche Ostsee Küstenlandschaft.

Nach und nach verlor das Schutzgebiet aber seine Bedeutung als Küstenvogelbrutstelle, weil Nachwuchs bei Watvögeln wie Säbelschnäbler, Austernfischer, Mittelsäger, Möwen etc. ausblieb. 

 

Hauptgrund für diese Entwicklung waren Prädatoren vor allem Füchse und Marder, die in der sonst weiträumig ausgeräumten Landschaft das Gebiet als „ihre“ Nahrungsplattform entdeckt hatten. Ihnen kam entgegen, dass das Schutzgebiet durch natürliche Sandwanderungen und Ablagerungen mit dem Steinwarder zusammengewachsen war. Die Jahrhunderte lang andauernde Insellage war damit aufgehoben. Prädatoren konnten ungehindert in das Naturschutzgebiet einwandern. Ab 1996 nahm der Bestand an Küstenvögel explizit ab, nachdem insbesondere Füchse den Graswarder als bevorzugte Nahrungsbasis erkannt hatten. Dem versuchte der NABU in Absprache mit der UNB des Kreises Ostholstein durch mobile E-Zäune entgegen zu wirken; anfangs mit recht gutem Erfolg. Dann aber hatten auch Marderhunde und neuerdings auch Waschbären erkannt, dass 1,10 Meter hohe E-Geflechte keinen wirklichen Schutz boten. Zusätzlich durchgeführte gelegentliche jagdliche Eingriffe verfehlten darüber hinaus ihre nachhaltige Wirkung, da sie nicht systematisch genug durchgeführt werden konnten.

 

Dieser Entwicklung war entgegenzutreten, nachdem Nachwuchs in den letzten Jahren nahezu vollständig bei allen Küstenvögeln ausgeblieben war. Lediglich eine Sturmmöwenkolonie überlebte und hatte 2019 noch einen Bestand von ca. 260 markierten Gelegen gegenüber 650 Paaren 2009.  Außer diesen zogen nur noch sechs Grauganspaare im Frühjahr 2019 ihre Gössel auf dem Graswarder auf. Alle anderen Vogelarten hatten keinen Bruterfolg.

 

Als letztmögliche Maßnahme gegen den Zusammenbruch der übrigen Brutbestände bot sich den Verantwortlichen nur noch eine partielle Umzäunung des Naturschutzgebietes mit einem 1,60m hohen Stabgitterzaun mit Seckseckgeflecht im unteren Bereich an. Darüber hinaus wurde vereinbart, die Maßnahme von einem Jäger begleiten zu lassen, der für den notwendig gewordenen Jagdschutz vom Land Schleswig-Holstein entlohnt wird. Wie sich schon jetzt zeigt, eine wichtige und essentielle Ergänzung zu den Zäunen.

Ein wesentlicher Faktor für die Installation eines stationären Zaunes war der enorme jährlich Arbeitsaufwand beim Auf- und Abbau der mobilen E-Zäune, den die Mitglieder des NABU nicht mehr in der Lage sind, langfristig zu gewährleisten.

Der Bau des geplanten Zaunes wurde 2016 beim Umweltministerium vom NABU beantragt und 2019 im Rahmen der ersten Phase mit der Einzäunung des Areals der sogenannten Sturmmöwenkolonie abgeschlossen. Beide Maßnahmen werden mit EU-Mitteln finanziert und im Auftrag des Kreises Ostholstein durchgeführt.

Vorausgegangen waren intensive Gespräche innerhalb des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume und dem NABU, die hier am Beispiel der schmalen Nehrungsküste und auf Grund der speziellen Lage eine gute Möglichkeit sahen, Prädatoren den Zugang zu erschweren, wenn möglich gar auszuschließen.

 

Die Umsetzung des Projektes scheiterte zunächst jedoch am Veto der Stadt Heiligenhafen, ihr Einvernehmen zur Baugenehmigung zu erteilen. Im November 2017 erging dann doch erfreulicherweise nach einer öffentlichen Sitzung der Stadtverordneten der Beschluss, den Zaun in geänderter Linienführung zu genehmigen.  So wird immerhin die Hälfte des Graswarders und die Sturmmöwenkolonie geschützt und hoffentlich auf lange Sicht eine positive Entwicklung der Küstenvögel damit eingeleitet.

 

Der Baubeginn erfolgte nach einer Ausschreibung im Februar 2018. Durch hohe Wasserstände wurden die Arbeiten zwar bis zum Herbst immer wieder unterbrochen und auch die Frostphase verhinderte den zügigen Weiterbau, so dass die Gefahr bestand, auch 2019 die Bauphase vor der eigentlichen Brutzeit nicht rechtzeitig abschließen zu können.

 

Im April 2019 war die ca. ein Hektar große Fläche für die Sturmmöwenkolonie dann mit einem 1,25 Meter hohen Stabgitterzaun umgeben und verhinderte zumindest schon einmal das Eindringen von Füchsen. Eine genaue Gelegezählung am 10. und 11. 2019 Juni ergab die Anzahl von 243 Sturmmöwengelegen, ein Paar Schnatterenten und ein Paar des Austernfischers. Ca. 15 spätere   kamen bis Anfang Juli dann noch hinzu.  

 

Auf Grund der zu diesem Zeitpunkt noch nicht endgültigen Zaunhöhe wurde zusätzlich ein E-Zaun angebracht. Zwei Gründe führten dazu, dass noch Gelege bzw. Küken von Sturmmöwen, Enten und auch ein Paar der Austernfischer verloren gingen:

 

1. Auf Grund der starken Trockenheit in den Monaten März und April sowie Anfang Mai machte sich Nahrungsmangel bemerkbar. Bei den Sturmmöwen kam es deshalb zum Kannibalismus –  Verzehr von Eiern aus benachbarten Nesten, seltener auch durch Fraß von Jungvögeln

 

2. Verluste durch Marder, für die der Zaun ohne Abweisergitter noch kein echter Hinderungsgrund war

 

Erst Ende Juni 2019 konnte der Stabgitterzaun dann mit schräg nach außen abgewinkelten Abweisergittern versehen und damit eine Gesamthöhe von 1,60 Metern erzielt werden. 

 

Der Stabgitterzaun hielt jetzt den Angriffen der Prädatoren stand. Lediglich der Seeadler konnte einige Jungvögel wegholen. Mit ca. 265 flüggen Sturmmöwen konnte ein beachtlicher Bruterfolg erzielt werden. Zurzeit verlassen die Sturmmöwenpaare mit ihren Jungen am Tag bereits ihr eigentliches Brutareal zur Nahrungsaufnahme, ehe sie abends noch in den „sicheren Hafen“ ihrer eigentlichen Brut- und Aufzuchtfläche zurückkehren.  

 

Rund um das Naturzentrum bieten die Sturmmöwen atemberaubende Flugshows an. Für die Besucher am Naturzentrum und auf dem Graswarderweg ist es ein besonderes Schauspiel und wer noch ein bisschen Zeit mitbringt, kann abends gegen 18.00 Uhr sogar den Seeadler bei der Jagd nach flüggen Sturmmöwen zuschauen. Ein Schauspiel der besonderen Art! 

 

Es bleibt die Hoffnung, dass sich nach Vollendung der zweiten Bauphase mit dem nächsten Zaunabschnitt östlich des Beobachtungsturmes ähnlich positive Ergebnisse für die gesamte Küstenvogelwelt des Graswarders einstellen. Ziel ist es, dass das „Vogelparadies Graswarder“ erhalten bleibt. 

 

Heiligenhafen, den 2. August 2019

Klaus Dürkop, Referent

Mo

17

Jun

2019

Masseneinflug des Distelfalters

Wer jetzt in Heiligenhafen Schmetterlinge auf Blütenpflanzen beobachtet, kann fast ausnahmslos Distelfalter erwarten,  nicht etwa Kohlweißlinge oder Tagpfauenaugen.

Sie sind aus Südeuropa eingeflogen und das sieht man ihnen auch an. Auf ihrem über 2000 km langen Weg Richtung Norddeutschland haben die Flügel dieses auf dem Balkan geschlüpften Falters  schon arg gelitten und wirken farblich recht abgenutzt. Das hier gezeigte Exemplar stammt aus dem Juli 2005, als schon einmal ein Masseneinflug von Distelfaltern hier auf dem Graswarder beobachtet werden konnte, farblich ein Prachtexemplar.

 

Der Distelfalter ist ein Extremwanderer, der in Arabien seinen Flug beginnen kann, im Mittelmeerraum seine ersten Eier legt, dort seine Umwandlung zum Falter vollzieht, um dann über die Alpen nach Norddeutschland zu ziehen. In diesem Jahr erfolgte der Zug der Schmetterling schon recht früh, denn hier tauchten die ersten Exemplare um den 4. Juni auf. 

Wenn günstige Windströme herrschen, ziehen sie mit dem beginnenden Sommer sogar noch weiter bis Nordnorwegen und Island.

 

Bei uns legen die Falter ihre Eier an Brennnesseln und Disteln ab, wo aus den Raupen die nächste Faltergeneration schlüpft. Zu sehen sind sie dann bei uns in den Gärten häufig auf der Buddleja, dem Schmetterlingsflieder, auch Sommerflieder genannt. Für die Vermehrung dieses Weltenbummlers trägt ein insektenfreundlicher Blumengarten bei, der eintönige Rasenflächen vermeiden sollte. Wildblumen können mehr und mehr eine Antwort auf das Insektensterben sein. 

 

Im Spätsommer kehrt sich die die Zugrichtung der neu geschlüpften Distelfalter wieder um, denn er verträgt keinen Frost. Im Mittelmeerraum kann es noch eine weitere Generation geben. Dann überqueren die Falter das Mittelmeer und kehren in ihre Ursprungsländer nach Nordafrika zurück.

 

Fotos und Text: Klaus Dürkop

 

So

26

Mai

2019

Neuer Rekord

Hunderttausende von Blütenköpfen der Grasnelken recken sich zur Zeit auf dem Graswarder in den Himmel. Ein Blüten-meer, wie wir es vor 15 Jahren schon einmal erleben durften. Diesmal aber noch viel umfangreicher.

 

Bereits 2018 hatte sich im Frühjahr die Grasnelke (Ameria maritima) als typische Strandwallpflanze polsterartig und flächen-deckend angekündigt, verkümmerte aber auf Grund der Trockenheit ab April. Der zu erwartende rosarote Blütenteppich blieb aus, hat sich 2019 aber in faszinierender Weise zurückgemeldet – dank entsprechender Nieder-schläge. Viele Hektar dieser seltenen Küstenpflanze prägen nun gerade im Ostteil des Naturschutzgebietes das Gebiet, leider außerhalb der Begehungszone. Die. Hauptblütezeit erstreckt sich über die Monate Mai und Juni.

 

Der Besucher muss aber nicht auf den schönen Anblick verzichten, denn die ersten großen Grasnelkenfelder kann man schon direkt am Naturzentrum des NABU erleben. Wer sich darüber hinaus in die Froschperspektive begibt, kann auch noch den betörenden Duft aufnehmen.

 

Anders als ihr Name vermuten lässt , gehört die Pflanze aber nicht zu den Nelkengewächsen, sondern ist eine auf der Roten Liste stehende Pflanzenart, die zur Familie der Bleiwurzgewächse gehört. Sie ist in Salzwiesen wie hier auf dem Graswarder zu Hause und entwickelt sich dort besonders gut, wo eine extensive Beweidung mit Rindern stattfindet. Höher wachsende Gräser wie die Strandquecke oder der Rotschwingel würden diese krautige Pflanze überwuchern und weniger sichtbar machen.

 

Grasnelken zählen zu den Stauden und sind in Zuchtform auch in Hausgärten anzutreffen. Nicht selten finden wir sie an Straßenrändern, wo Salz gestreut wird. Sie blühen von Mai bis Oktober. Bestäubt werden sie von zahlreichen Insekten, wie Weichkäfern und Wildbienen. Blütenteppiche mit Grasnelken sind auch Ziel des Naturschutzmanagements, um Insekten notwendige Überlebenschancen zu geben.

 

Als die Grasnelke noch nicht unter Naturschutz stand, nutzten die Heiligenhafener im Juni die Blüten anlässlich des Vogelschießerfest zum Binden von Kränzen. Besonders geeignet war diese Blütenpflanze durch die langen Stiele. Im Volksmund nannte man sie deshalb auch Drahtblume. Weitere Trivialnamen sind Meernägel und Möwenblume auf Helgoland, Pingsterblöm in Ostfriesland, Seegras in Ostpreußen oder Strohblume in Bremen.

 

 

Text und Fotos: Klaus Dürkop

Sa

03

Nov

2018

Kurznachrichten

Das Naturzentrum mit seinen Nebe-neinrichtungen hat einen professionellen Anstrich bekommen.

 

Die Eingangstür zum Wohnbereich ist voll-ständig erneuert worden und hat ein Sicherheitsschloss erhalten. Das Haupt-fenster und das Schlafzimmerfenster wurden wetterfest gemacht, so dass kein Niederschlagswasser mehr eindringen kann.

 

Der Gitterzaun um die Sturmmöwenkolonie südlich des Naturzentrums wurde bis heute leider nur zu 90% fertiggestellt. Die Maßnahme leidet immer wieder unter auftretendem Hochwasser und die Verfügbarkeit von Arbeitern der ausführenden Firma.

 

Platz für den Gitterzaun wurde durch Abbau des bisherigen E-Zaunes geschaffen. Das Zaun-material steht nun im kommenden Jahr für kleinere Kolonien westlich des Beobachtungs-turmes zur Verfügung (soweit erforderlich)

 

Am 27. 10. wurden der Lehrpfad am Graswarderweg und um das Naturzentrum abgebaut, die Infotafeln gesäubert und im Vortragssaal untergebracht bzw. für Reparaturen vorbereitet.

 

Die hervorragend gut funktionierende Mitarbeitertruppe fand sich am Schluss wieder zur traditionellen „Suppenparade“ ein.

 

Gut genährt und in hervorragendem Zustand konnte unser Landwirt Höppner seine 15 Schwarz-Bunten Rinder wieder abholen, die am Ende ihrer Beweidungszeit die Zone 1 kurz gefressen hatten. Diese Zone wird nur alle drei bis vier Jahre für 2-3 Monate beweidet, um in der Zwischenzeit genügend Samen für die Sukzessionsflächen produzieren zu können.

 

Erste Maßnahmen zur Reduzierung der Prädatoren wurden getroffen, so dass für 2019 hoffentlich wieder mit positiven Brutergebnissen zu rechnen ist.

Text und Fotos: Klaus Dürkop

 

Mi

22

Aug

2018

Eine Ära geht zu Ende

Zäune sind eigentlich eine schlechte Lösung bei der Bewältigung von Artenschutzproblemen in Naturschutz-gebieten. Dennoch versuchte der NABU ab 1998 nach dem Vorbild des RSPB durch mobile E-Zäune den Rückgang der Küstenvögel auf dem Graswarder zu verhindern bzw. aufzuhalten. Dazu wurden einzelne Kolonien (Sturmmöwen, See-schwalben, Säbelschnäbler) im Frühjahr vor der Brutsaison jeweils mit 5 adrigen Litzenzäunen eingezäunt und damit vor allem vor Prädatoren wie dem Fuchs gesichert. Anfänglich mit recht gutem Erfolg. Aber nachdem die Elektrogeber immer wieder auch durch menschliche Eingriffe zerstört wurden, blieben die erhofften Erfolge aus. Wie wir aus Gesprächen mit Jägern entnehmen konnten, hatte der Bestand an Füchsen in der freien Landschaft darüber hinaus in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen und den Graswarder mit seinen Küstenvögeln als wahre Nahrungsoase entdeckt. Der Druck von außen nahm zu, andere Prädatoren wie Marder und Igel kamen hinzu. Letztlich blieb der Nachwuchs bei den Küstenvögeln ganz aus. 2018 hatten nur noch 9 Paare der Graugänse Bruterfolg.

 

Diesem Zustand soll nun ein stabiler Gitterzaun entgegen wirken. Die Maßnahme selbst wird Ende August in Angriff genommen und beginnt mit der Einzäunung einer Fläche südlich des Naturzentrums. Mitte November wird der Querzaun hinter dem Beobachtungsturm errichtet.

Voraussetzung für die Baumaßnahmen war in diesen Tagen daher die Beseitigung der mobilen E-Zäune auf einer Länge von ca. 800 Metern incl. der Folie, die den Aufwuchs von Pflanzen verhindern sollte. Eine schweißtreibende Arbeit für die ehrenamtlichen Mitarbeiter des NABU, Muskelkater mit einbezogen. Mein Dank gilt Hanne, Heike, Nico, Michael und Gerd.

 

 

Text und Fotos: Klaus Dürkop

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