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Seltene Gäste auf dem Graswarder

In den vergangenen Tagen konnten Ornithologen auf dem Graswarder einige Raritäten der Vogelwelt bestaunen, sehr zur Freude unserer gegenwärtigen Naturschutzwarte Anne und Christian.

 

Zuerst zeigte sich ein Löffler. Den Namen hat diese etwa storchengroße Art von ihrem ungewöhnlich löffelartig geformten Schnabel. Löffler sind dazu in der Lage, diesen schweren Schnabel sehr schnell und behende mit einer auffallenden Leichtigkeit zu bewegen. In den vergangenen Jahren hat sich diese Art ausgehend von den Niederlanden an der Nordsee entlang weiter nach Norden ausgebreitet. Einige Brutpaare finden sich inzwischen unter anderem auf Amrum oder an der dänischen Westküste. Einzelne Individuen machen immer einmal wieder Ausflüge an die Ostsee, gelegentlich auch auf den Graswarder. Womöglich um neue Brutregionen zu erkunden …

  

Am gleichen Tag erschien eine weitere Rarität auf dem Graswarder: Ein Wiedehopf. Dieser etwa amselgroße Vogel ist weit bekannt wegen seiner auffälligen Federhaube und der bunten Färbung. Allerdings lebt dieser Vogel nur in den wärmeren und trockeneren Ländern im Süden und Osten Europas. Die Brutgebiete der wenigen in Deutschland heimischen Wiedehopfe liegen in den wärmeren Regionen Süddeutschlands. Extrem selten kommen in Norddeutschland einzelne Vögel vor, die bei der Rückkehr aus den Überwinterungsgebieten südlich der Sahara weiter in den Norden gezogen sind, um neue Brutgebiete zu erschließen (Zugprolongation).

  

Nur wenige Tage später konnten die Besucher des Graswarders eine weitere sehr seltene Vogelart bestaunen: Einige Ohrenlerchen waren auf dem Heimzug zu Gast. Diese etwa spatzengroßen Vögel brüten in der Tundra im äußersten Norden Skandinaviens und Sibiriens. Den Winter verbringen sie in sehr kleiner Zahl auch an den mitteleuropäischen Küsten, davon allenfalls 20 Tiere an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste. Von dort starten sie im März und April den Heimzug. Die kleinen Vögel ernähren sich von Insekten und Sämereien, die sie im Winter vor allem auf samenreichen Strandwällen – wie auf dem Graswarder – finden.

 

 

Text und Fotos: Christian Spickermann