Wasseruntersuchungen im Graswardergebiet

Jing Qian, Student des Studienganges Environmental Engineering an der Fachhochschule Lübeck, untersucht im Rahmen seiner Bachelorarbeit unter Anleitung von Prof. Reintjes den Stickstoffgehalt (Nitrat, Nitrit, Ammonium) der Gewässer des Graswardergebietes.


Der Bachelorstudent nahm von Anfang April bis Anfang Juni an 10 Stellen Wasserproben, von den aus den Feldern kommenden Wasserläufen, die in das Eichholzgewässer münden, vom Eichholzgewässer selbst, vom Binnensee, vom Hafenausgang an der Hafenmole und schließlich vom reinen Meerwasser am Ende der Seebrücke. Jing Qian untersucht unter anderem, wie hoch die Nitratgehalte der verschiedenen Gewässer sind, wie sie sich von den Feldern kommend, auf dem Weg zum Meer verdünnen und wie sich mit dem Beginn des Algen- und Wasserpflanzenwachstums verändern. Zurzeit wertet Jing Qian seine Messungen aus. Mitte Juli wird er seine Ergebnisse an der FH Lübeck vorstellen.

Jing Qian, Student der Fachhochschule Lübeck, bei der Probennahme (Foto: Niermann)
Jing Qian, Student der Fachhochschule Lübeck, bei der Probennahme (Foto: Niermann)

Hintergrund seiner Arbeit ist, dass der Einsatz von Düngemittel auf den Feldern zunehmend in den Graswardergewässern spürbar ist, aber die tatsächlich im Wasser vorhandenen Nährsalze bisher noch nicht erfasst worden sind. Besonders Stickstoff (Nitrat) wird in der Landwirtschaft als synthetischen Mineraldünger eingesetzt. Dieser wird an Regentagen von den Feldern gewaschen und in die Gewässer eingeschwemmt. Auch im Wasser wirkt Nitrat als Dünger: Die an niedrige Nährstoffen gewöhnten Algen und Wasserpflanzen wachsen mit dem zusätzlichen Stickstoff außerordentlich gut. Das macht sich besonders in den letzen Jahren im Binnensee bemerkbar, wo Grünalgen und die Laichkrautbestände stark zugenommen haben. Das vermehrte Algenwachstum, das auch in diesem Frühjahr gut auf der Wasseroberfläche zu beobachten ist, sieht in einem Touristengebiet nicht nur unschön aus, sondern zehrt nach dem Absterben beim Verfaulen sehr viel Sauerstoff aus dem Wasser. So kommt es an sehr warmen windstillen Sommertagen im Binnensee zu Sauerstoffmangel, der zu einem zusätzlichen Absterben der Bodentiere führt. Die durch die Faulgase entstandene Geruchsbelästigung ist vielen Anwohnern nur allzu gut bekannt.

 

Jing Qians Untersuchungen sind die ersten wissenschaftlichen Messungen zur Stickstoffbelastung der Graswardergewässer und können helfen aufzuzeigen in welchem Zustand der Eutrophierung  (Überdüngung) sich diese Gewässer befinden.

Algenwachstum durch Überdüngung im Binnensee (Foto: Niermann)
Algenwachstum durch Überdüngung im Binnensee (Foto: Niermann)

Jing Qian stammt aus Chongqing, einer 30 Millionenstadt in China und begann sein Studium 2010 an der “East China University of Science and Technology” in Shanghai. Er studiert nach dem sogenannten Deutsch-chinesische Studienmodell das Fach „Environmental Engineering“, ein Studiengang, der 2004, aufbauend auf einer mehr als 20-jährige Zusammenarbeit, von der Fachhochschule Lübeck (FHL) und der East China University of Science and Technology (ECUST), entwickelt wurde. Nach 2 Jahren Grundstudium in Shanghai, kommen die Studenten für ein zusätzliches Jahr nach Lübeck und schließen ihr Studium mit dem Bachelor of Science ab. Die Absolventen erhalten nach bestandener Prüfung einen deutsch-chinesischen Doppelabschluss.

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